Parentaler Rollentausch
Fred: Oha, Gefahr im Verzug – da muss der Schutzengel schnell fliegen, um großes Unheil zu verhindern!
Sophia: Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Als große Schwester spielst du zuerst mit deinen kleinen Geschwistern wie früher mit deinen Puppen, mit der Zeit entwickeln sie einen eigenen Willen und halten dich ganz schön auf Trab. Aber selbst volle Mutterpflichten erfüllst du bereitwillig, weil du gerne „erwachsen“ sein willst.
Fred: So funktioniert Sozialisation. Während Kinder Aufgaben in der Familie übernehmen, lernen sie ihre Fähigkeiten kennen und entwickeln schrittweise Zuverlässigkeit, Altruismus und so weiter.
Sophia: Trotzdem – Verantwortung an Kinder delegieren darf nur bis zu einem gewissen Grad gehen, der sie nicht überfordert.
Robert: Sagt mal, was ist denn mit der Mutter los? Die kommt doch überhaupt nicht mehr klar. Sie macht auf mich einen sehr verzweifelten Eindruck – als würde sie von Problemen erdrückt.
Helene: Wenn ihre Tochter gleichzeitig Schutzengel für sie sein muss, lauert da die größere Gefahr. Mama ab und zu trösten ist okay, sie jedoch auf Dauer behüten wird nicht gut gehen.
Fred: Sicher nicht, denn dann verkehrt sich das normale Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern komplett ins Gegenteil, so dass die Heranwachsenden in die Elternposition einrücken.
Konrad: Eine Rollenzuschreibung, die nicht altersgemäß ist, wird der Entwicklung schaden und kann böse Langzeitfolgen nach sich ziehen. Zum Beispiel leiden solche Menschen später am Helfersyndrom, werden sich also bis zur Selbstschädigung für andere aufopfern wollen.
Kathrin: Tatsächlich bedauere ich es ein bisschen, dass ich so rasch erwachsen geworden bin; ich hätte gern eine längere Jugend gehabt.
Robert: Dafür genießt du es jetzt, mit unseren Kleinen abzuhängen.