Furcht vor späterer Reue

Furcht vor späterer Reue

Robert: Könnt ihr die Schrift an der Wand entziffern?
Helene: Warte; das heißt „second thoughts“ – normalerweise, falls das keine Punkband ist, bedeutet der Ausdruck, dass wir manchen spontanen Entschluss später nicht mehr überzeugend finden, also nachträgliche Bedenken haben.
Fred: Sowohl Omen als auch Oma haben die junge Mutter ins Grübeln gebracht.
Kathrin: Meinst du etwa, dass sie jetzt schon bereut, sich für Familie entschieden zu haben? Das passiert leider immer mehr Frauen, wie ich gelesen habe.
Sophia: So weit würde ich nicht gehen, aber nachdenklich ist ihr doch zumute. Vielleicht befürchtet sie, eines Tages verlorenen Lebenschancen nachtrauern zu müssen, wie sie es bei der alten Frau vermutet.
Fred: Kennen wir wohl alle, dass bei wichtigen Festlegungen Restzweifel bleiben, weil die verworfenen Alternativen noch länger durch unseren Kopf geistern.
Konrad: Allerdings wird es kritisch, wenn sich Leute bloß aus Furcht vor späterer Reue zu Handlungen verleiten lassen, denn paradoxerweise werden sie genau diese bedauern. Das ist kaum verwunderlich bei so schwacher Motivation. Sie ist meistens schuld an den enttäuschten Mutterfreuden, die Kathrin erwähnt hat.
Sophia: Trotzdem ist es doch sinnvoll, vor einer wichtigen Entscheidung durch eine Gefühlsprognose zu prüfen, wie unser zukünftiges Selbst dazu stehen würde. Mich hat das vor manchen dummen Schritten bewahrt, die sich im Rückblick scheußlich angefühlt hätten.
Helene: Du bist eben ein kluges Mädel, Sophia. Wir Normalos können von Glück reden, wenn wir ohne Bedauern durchs Leben kommen.