Widerstandsfähigkeiten
Fred: Bei dieser Szene fragt man sofort nach einer tieferen Bedeutung, oder?
Sophia: Vermutlich, weil die beiden Personen auf eine Weise gruppiert sind, wie sie tatsächlich gar nicht vorkäme. „Künstler sind nur originell, wenn sie Wirklichkeit nicht sklavisch kopieren, sondern deren Elemente fantasievoll kombinieren.“ Goya – sinngemäß zitiert. In seinen Skizzenbüchern wird das meisterhaft umgesetzt.
Fred: Eigenartig. Gleich beim Thema „Widerstandsfähigkeiten“ musste ich an seine Zeichnungen denken, denn sie enthalten zwischen lauter verzweifelten Elendsgestalten immer wieder Figuren, die innere Stärke ausstrahlen.
Robert: Okay, der Lastenträger als Sinnbild von Resilienz leuchtet mir sofort ein: Man trägt eine Bürde mit Ausdauer, bis man sie endlich ablegt. Aber die Seiltänzerin…?
Kathrin: Sie verkörpert bestimmt eine weitere Variante, mit Widrigkeiten umzugehen. Manchmal ist es nutzlos, eine Krise energisch anzupacken; hingegen kannst du versuchen, locker drüberstehen, anstatt darin zu versinken.
Helene: Es ist ohnehin ein Missverständnis, Resilienz immer mit heroischer Standhaftigkeit gleichzusetzen. Je nach Situation ist eine eher robuste oder eher elastische Reaktion hilfreich.
Konrad: Überhaupt bloß von Reaktionen zu sprechen, engt den Blick für unser Durchhaltevermögen ein. Auch wer ungünstige Verhältnisse vorausschauend beseitigt, bevor sie sich fatal auswirken, trainiert seine Standhaftigkeit. Wir verfügen schon über einige Handlungsspielräume, die Herausforderungen des Lebens zu bewältigen.
Fred: Einschließlich den stoischen Gleichmut bei persönlichen Schicksalsschlägen, wie ihn Goya praktizierte.