Kontraphobisches Verhalten

Kontraphobisches Verhalten

Robert: Ha! Meine Sportart ist endlich in der Kunst angekommen.
Fred: Du selbst bist aber nur als winziger Punkt zu sehen.
Robert: Das ist halt die Perspektive des bodenständigen Zuschauers.
Sophia: Warum setzt du dich solchen Risiken aus? Du bist doch sonst kein Draufgänger.
Robert: Es geht mir um andere Gefühle als den Adrenalin-Kick.
Kathrin: Du kannst es doch ruhig eingestehen, Robert. Wisst ihr, im Alltagsleben ist er emotional eher grobmotorisch. Auch in unserer Beziehung hat er Probleme, seine Empfindungen auszudrücken oder überhaupt wahrzunehmen. Wenn man ihn damit zu sehr bedrängt, kriegt er bald Schweißausbrüche. Er sagt selbst, dass er deswegen zu soziale Phobie neigt.
Robert: Naja, direkt Angst würde ich es nicht nennen, aber es geht schon in die Richtung.
Helene: Dem Stress sozialer Kontakte entfliehst du also in die Lüfte?
Robert: Das ist weniger Flucht als mein Mittel, emotionale Überforderung zeitweilig zu überwinden, indem ich mich aktiv in eine knifflige Lage bringe, die ich dann aber gut beherrsche. So schaffe ich Ordnung im Kopf.
Konrad: Andere sprechen auch gern vom berühmten ozeanischen Gefühl der Entgrenzung, der Euphorie unendlicher Freiheit – den Sorgen entkommen, Abstand zur Erdenschwere gewinnen.
Robert: Wenn die Luftströmung gut ist, fühle ich mich manchmal total erhaben. Leider landet man bald auf dem harten Boden der Realität. Dann sind alle problematischen Verhältnisse wieder zurück.
Alle: Aber hier leben wir eben.